Ökosystem Ostwürttemberg: nicht jammern, machen!

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Markus Schmid - Ökosystem Koordinator Ostwürttemberg

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur Gründerinnen, Gründer und Start-ups vor völlig neue und nie dagewesene Fragestellungen und Herausforderungen. Auch die Start-up Ökosysteme und Akteure in der Gründungsförderung mussten in den letzten Monaten neue Ideen entwickeln und umsetzen. Ein Bericht aus dem Ökosystem Ostwürttemberg von Ökosystem-Koordinator Markus Schmid.

Die Dynamik in der Start-up Region Ostwürttemberg ist auch in Corona-Zeiten ungebrochen. Viele der rund 100 Start-ups sind weiter auf Erfolgskurs. Vor allem Geschäftsmodelle rund um die Digitalisierung profitieren erheblich. Dies gilt auch für die Themen Umwelt oder Food. Gründungen und Start-ups aus diesen Bereichen können aufgrund des gestiegenen Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein gestärkt aus der Krise hervorgehen. Auch Geschäftsmodelle rund um 3D-Druck haben deutlich an Dynamik gewonnen, wie das Beispiel von Primax 3D mit seinem Gründer Tom Fahsel zeigt. Zentraler Vorteil vieler junger Unternehmen sind schlanke Strukturen verbunden mit niedrigen Fixkosten. Dies erleichtert häufig das Agieren auch in einem schwierigen Marktumfeld.

Etwas unternehmen anstatt zu jammern, ist in jeder Situation eine richtige Strategie. Hier zeigen die  Auszeichnungen einiger Start-ups aus der Region, die große Substanz und Innovationskraft der regionalen Start-ups. Darunter die Carbonauten GmbH, die Q.Big 3D GmbH oder auch die Blackpin GmbH. Dennoch sieht sich auch das Start-up Ökosystem Ostwürttemberg und seine Gründerinnen und Gründer mit Herausforderungen konfrontiert: Durch die Pandemie-Bestimmungen kamen Prozesse und Projekte ins Stocken. Die Verschiebung von Projekten belastet auch die Liquidität von Start-ups. Auch Investorengepräche und Finanzierungsrunden wurden verschoben. Für einzelne Start-ups waren die Corona-Soforthilfe oder auch das Pre Seed-Programm des Landes Baden-Württemberg eine wertvolle Hilfe.

Folgendes Stimmungsbild zu den Herausforderungen und der Einschätzung der Situation durch die Gründerinnen und Gründer hat sich durch den kontinuierlichen Austausch mit den Start-ups ergeben:

Sandra Jörg, CEO Blackpin GmbH: „Grundsätzlich standen wir, was das Arbeiten innerhalb unseres Teams anging, vor keinen neuen Herausforderung, da wir uns ja mit dem Thema agiles dezentrales Arbeiten beschäftigen. In dieser Zeit haben wir uns auf die Weiterentwicklung unserer App konzentriert. Es konnten leider keine realen Kunden-Meetings stattfinden zum Aufspielen der App oder Schulungen vor Ort. Das holen wir jetzt aber Gott sei Dank nach und es finden langsam wieder Kundenmeetings vor Ort statt."

Luisa und Cosima Kamel, Colu: „Besonders die Absage großer Events, die für uns essenziell sind, um potenzielle Kunden zu erreichen, bekamen wir zu spüren. Auch im Online-Shop mussten wir einen Rückgang der Bestellungen und dementsprechend Einnahmen verzeichnen. Die für das Frühjahr 2020 geplante Kollektion, deren Produktion in Süddeutschland stattfinden sollte, haben wir bis auf weiteres verschoben. Dennoch hoffen wir, dass wir die Planungen für dieses Projekt bald weiterverfolgen und realisieren können.“

Julian Fischer & Jonas Roßner, Jules & Jones GbR: „Den Shutdown aufgrund von Corona war für uns besonders in der Anfangszeit, im März und in den Wochen danach, stark spürbar, insbesondere im Zusammenhang mit unseren Kunden aus der Veranstaltungsbranche. Hier hatten wir bereits einige Projekte geplant, die dann schlagartig weggebrochen sind. Glücklicherweise ist das Interesse an Produktfilmen und Ähnlichem, speziell in anderen Branchen, wenige Monate danach stark gestiegen. Mittlerweile können wir deshalb wieder sagen: es geht uns gut!"

Christian Stenske, Tanja Reischl, THE FORCE CT GmbH: „Das Einsetzen der Corona Krise ist nicht spurlos an The Force vorbeigegangen. Kunden haben Aufträge storniert. Neukunden sind zögerlich mit der Vergabe von Projekten. Wir als junges Unternehmen mussten sehr harte Kosteneinsparmaßnahmen treffen. Mit zunehmender Dauer der Krise haben wir mit einer sich verschlechternden Zahlungsmoral unserer Kunden zu kämpfen. Trotz aller Widrigkeiten werden wir es schaffen unseren Wachstumskurs fortzusetzen und unsere Zukunftspläne, wenn auch mit leichter Verzögerung, umzusetzen."

 

Persönliche Treffen fanden auch in Ostwürttemberg zum Höhepunkt der Pandemie nicht mehr statt. Die Akteure in Ostwürttembergs konnten sich aber schnell neu organisieren. Einige Formate, wie der Start-up Wednesday oder auch Infoveranstaltungen wie das Early Bird Frühstück oder 1x1 des Gründens wurden digitalisiert und fanden bereits mehrfach mit großer Beteiligung statt. Erstmals fand auch die Verleihung des Innovationspreises Ostwürttemberg virtuell statt. Seit zwei Jahren werden auch Unternehmen in der Kategorie Start-ups ausgezeichnet. In diesem Jahr haben sich 12 Start-ups, um die Auszeichnung beworben. Gewonnen hat in diesem Jahr Black Pin aus Aalen.

Schweren Herzens wurde die Make Ostwürttemberg 2020, die dieses Jahr in Aalen stattgefunden hätte, auf das Jahr 2021 verschoben. Bereits jetzt machen sich die Partner Gedanken und bereiten das Maker-Event, bei dem sich auf viele Start-ups präsentieren, auf 2021 vor.

Auch die Business Angels der Start-up Region und der regionale Beteiligungsfonds Pegasus sowie die regionalen Banken stehen zu ihrer Verantwortung und unterstützen in dieser Phase. Das noch junge Business Angel Netzwerk der Start-up Region Ostwürttemberg wächst weiter. Bereits Ende Juni fand wieder der erste Präsenz-Pitch statt, bei dem sich zwei Start-ups den Investoren präsentierten.

Hinter den Kulissen wird am interkommunalen Antrag für den Wettbewerb "Start-up BW local" gearbeitet. Auch bei der  Wettbewerbsrunde 2020/2021 ist Ostwürttemberg wieder mit dabei und hofft auch eine Auszeichnung vom Land Baden-Württemberg. Rückenwind erhoffen sich die 30 Partner im Verein der Start-up Region auch durch die EXIST-Förderung an der Hochschule Aalen und der Hochschule für Gestaltung. Ziel ist, die Verzahnung der Projekte weiter zu verbessern und die Start-ups noch besser zu unterstützen. Neben der Förderung der Gründungskultur an den Hochschulen hat die Region auch das Thema Unternehmensnachfolge und Gründungen außerhalb der Hochschulen im Blick. Für das Gründungsinteresse ist die aktuelle Abkühlung der Konjunktur sogar eher förderlich. Die Zahl der Anfragen im Netzwerk der Start-up Region hat seit Januar deutlich an Dynamik gewonnen.