Ökosystem Rhein-Neckar: Nichts verschieben, einfach online weitermachen (1/2)

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Modernes Gebäude im Technologiepark Heidelberg mit silbergrauer Fassade und großen Fensterflächen

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur Gründerinnen, Gründer und Start-ups vor völlig neue und nie dagewesene Fragestellungen und Herausforderungen. Auch die Start-up Ökosysteme und Akteure in der Gründungsförderung müssen sich auf die neue Situation einstellen und neue Ideen entwickeln und umsetzen. Start-up BW fragt nach in den Ökosystemen, heute in Mannheim, Heidelberg und Walldorf (Teil 1/2).

Das Start-up Ökosystem Rhein-Neckar verfügt bereits seit vielen Jahren über ein umfangreiches Unterstützungsangebot für Gründerinnen, Gründer und Start-ups in den unterschiedlichsten Branchen. Über die Stadtgrenzen hinaus arbeiten die Städte Mannheim, Heidelberg und Walldorf eng zusammen, beispielweise bei den beiden von Start-up BW geförderten Acceleratoren Up2B und Life Science Accelerator Baden-Württemberg. Start-up BW hat mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Mannheim, STARTUP MANNHEIM, dem Technologiepark Heidelberg und der innoWerft über die aktuellen Herausforderungen, Maßnahmen und die Stimmung bei den Start-ups gesprochen. 

Start-up BW: Welche Themen beschäftigen die Akteure im Ökosystem Rhein-Neckar seit Ausbruch der Corona-Pandemie?

Dr. Claudia Rabe (STARTUP MANNHEIM):
Wir haben uns natürlich die Frage gestellt, wie wir unsere Start-ups und Kultur- und Kreativschaffenden bestmöglich und vor allem schnell in dieser Situation unterstützen können. Im ersten Schritt war es uns wichtig herauszufinden, welche Fragen, Sorgen und Nöte die Betroffenen haben.

Dr. Thomas Prexl (Technologiepark Heidelberg):
Für die beiden Accelaratoren Up2B und Life Science Accelerator Baden-Württemberg mussten zügig Lösungen her, wie wir die Angebote und Module trotz der geltenden Kontaktbeschränkungen anbieten und umsetzen können.

Start-up BW: Welche Unterstützungsangebote haben Sie umgesetzt?

Dr. Claudia Rabe (STARTUP MANNHEIM):
Wir haben bereits am 13. März eine Umfrage unter Start-ups und Kreativschaffenden gestartet, um den Einfluss von COVID-19 und die zu erwartenden wirtschaftlichen Auswirkungen einschätzen zu können. Die Ergebnisse der Umfrage sind in die Entscheidungsprozesse zur Ausgestaltung der benötigten Hilfsmaßnahmen eingeflossen. Darüber hinaus haben wir unter anderem unter dem Motto #copewithcovid die Community kontinuierlich mit Informationen, Hilfsangeboten, Anlaufstellen und Best Practice Beispielen versorgt. Das Gründungszentrum GIG7 kümmert sich in Mannheim um das Seminar-Angebot und hat sehr schnell auf Webinare und Online-Angebote umgestellt. Um die zahlreichen türkischsprachigen Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen zu können, haben wir eine türkischsprachige Beratungs-Hotline eingerichtet.
Wir haben zusätzlich sehr viele Einzelgespräche mit den betroffenen Unternehmerinnen und Unternehmer geführt, hauptsächlich, um die neu auferlegten finanziellen Hilfsprogramme zu sortieren und um bei der Beantragung zu unterstützen. Dieser Austausch scheint aktuell sehr wichtig zu sein und hat in Krisensituationen ja auch immer eine psychologische Komponente. Die Betroffenen sind sehr dankbar für diese Angebote. Fakt ist: Fast alle Gründungen sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen.

Dr. Thomas Prexl (Technologiepark Heidelberg):
Die Angebote der Acceleratoren haben wir komplett digitalisiert. Das hat gut funktioniert. Wir hatten sehr gute Teilnahmequoten und haben auch die Erfahrung gemacht, dass uns die Organisation von Online-Angeboten neue Möglichkeiten eröffnet. Speaker, die wir bei Präsenzveranstaltungen für einen 30-minütigen Vortrag aufgrund von Anfahrt und Reisezeiten nicht bekommen hätten, haben uns zugesagt und sich online engagiert.

Start-up BW: Bietet die Digitalisierung in diesem Bereich also auch neue Möglichkeiten?

Dr. Thomas Prexl (Technologiepark Heidelberg):
Das vermehrte Umstellen auf Online-Angebot ist definitiv ein Thema, das wir auch für die Zeit nach Corona im Kopf behalten werden.

Dr. André Domin (Technologiepark Heidelberg):
Viele haben Programme und Veranstaltungen abgesagt und auf „die Zeit nach Corona, ca. im September“ verschoben. Wir haben wir uns mit unseren Partnern darauf verständigt, nicht darauf zu warten, sondern die aktuelle Situation als gegeben anzunehmen und unsere Angebote und Maßnahmen auf dieser Basis auszugestalten. Diese grundlegende Haltung hilft uns, schnell zu sein und bestmöglich unterstützen zu können.

Start-up BW: Wie gehen die Start-ups mit der aktuellen Situation um?

Dr. Thomas Linder (innoWerft):
Das variiert stark, natürlich in Abhängigkeit vom jeweiligen Zielmarkt und der individuellen Situation im Bereich der Finanzierung. Start-ups die längerfristig finanziert sind, sind aktuell noch relativ wenig beunruhigt. Start-ups, bei denen die Finanzierung ausläuft, sind natürlich deutlich besorgter und machen sich Gedanken darüber, wie und ob es weitergehen kann. Hier sind wir mit den Teams im Austausch und prüfen, welche der geschaffenen Hilfs- und Unterstützungsprogramme helfen können.

Sonja Wilkens (Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim):
Von Jungfeld und die Textilerei als Gründungszentrum für Mode und Textilwirtschaft haben die Produktion und den Vertrieb von Gesichtsmasken gestartet. Die beiden Start-up BW Pre-Seed geförderten Start-ups myTalents Community GmbH und ciconia Software GmbH haben ihre Angebote auf die aktuelle Situation adaptieren bzw. erweitern können. myTalents bietet jetzt Online-Angebote an und Emmas.app von ciconia ist jetzt mit Sicherheit für Anbieter interessant, die sich durch den Lockdown erstmals mit dem Thema Online-Vertrieb beschäftigt haben. Mit Actinate können Fitnessstudio-Mitglieder auch in Zeiten geschlossener Studios weiter trainieren.

Dr. Thomas Prexl (Technologiepark Heidelberg):
Der Life Science Bereich ist aktuell und aufgrund der Situation mit COVID-19 unglaublich spannend. Hier ist viel in Bewegung und die Start-ups sehen durchaus positive Möglichkeiten, was die künftige Entwicklung in Sachen Förderung und Finanzierung angeht.

Start-up BW: Neben den Auswirkungen auf die unternehmerische Tätigkeit, welche Themen bereiten den Gründerinnen und Gründern Sorgen?

Dr. André Domin (Technologiepark Heidelberg):
Viele Teams sind das Remote-Arbeiten gewöhnt und haben seit Gründung die entsprechende Infrastruktur und die erforderlichen Prozesse aufgebaut. Was durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus neu hinzukommt, sind die Themen Kinderbetreuung und Homeschooling. Während für die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sehr schnell Unterstützungsangebote geschaffen wurden, fehlt den Gründerinnen und Gründern mit Familie in den Bereichen der Kinderbetreuung und Schule eine Perspektive. Hier beobachten wir, dass die Ungeduld wächst. Ein Unternehmen aufzubauen und über Monate hinweg Kinder zu betreuen und zu beschulen ist eine Mammutaufgabe. Auch hier benötigen die Start-ups dringend Angebote und Perspektiven, die eine Entlastung schaffen.

Im zweiten Teil des Interviews erfahren Sie, wie die Business-Partner und die Investoren-Landschaft auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren und was die Start-ups beim Thema Finanzierung beschäftigt.

 

Weitere Informationen zu den Angeboten in der Region Rhein-Neckar:

Stadt Mannheim – Wirtschaftsförderung
STARTUP MANNHEIM
Technologiepark Heidelberg 
innoWerft
Up2B Accelerator 
Life Science Accelerator Baden-Württemberg
Gründungszentrum GIG7
Textilerei
my Talents Community GmbH
Emmas App 
Actinate
Von Jungfeld