Start-up BW: Was hat Euch zur Teilnahme motiviert?
Christina Groll: Konstanz engagiert sich seit 40 Jahren, seit 1985, in der Gründungs- und Innovationsförderung. Unser Technologiezentrum wurde von Anfang an durch Politik und Verwaltung unterstützt und gemeinsam von Hochschulen und Wirtschaft getragen. Als 2018 der Landeswettbewerb startete, war die Stadt bereits mitten in einem strategischen Prozess. Mit dem Handlungsprogramm Wirtschaft 2030 hatten wir gemeinsam mit Gründungsexpertinnen und -experten konkrete Maßnahmen erarbeitet, die der Gemeinderat Ende 2018 verabschiedet hatte. Gleichzeitig eröffnete die innerstädtische Verlagerung eines ehemaligen Industriestandortes eine Freifläche mit enormem Potenzial. Der Wettbewerb kam genau zur richtigen Zeit – er war für uns der ideale Rahmen, um unsere Ideen zu schärfen, zu strukturieren und einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Außerdem reizte uns die Möglichkeit, uns mit anderen Kommunen zu vernetzen und voneinander zu lernen. Dass unser Konzept die Jury so überzeugte, dass wir gleich in der ersten Runde gewannen, war ein starkes Signal. Seitdem nehmen wir regelmäßig am Wettbewerb teil.
Start-up BW: Was bedeutet Euch die Auszeichnung als gründungsfreundliche Kommune? Was hat sie Euch gebracht und wie wurde sie eingesetzt?
Christina Groll: Die Auszeichnung ist für uns weit mehr als ein Siegel. Sie ist ein Signal nach innen und nach außen. Nach innen hat sie dem Thema Gründung in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat zusätzlichen Rückenwind gegeben und das Gründungszentrum sowie die Marke farm – Gründung & Innovation auf dem Konstanzer Innovationsareal politisch gestärkt. Nach außen hat sie uns dabei geholfen, uns als attraktiver Gründungsstandort in der Region und auf Landesebene zu positionieren. Gründerinnen und Gründer, Investorinnen und Investoren sowie potenzielle Partnerinnen und Partner nehmen Konstanz als ausgezeichneten Gründungsstandort wahr. Das schafft Vertrauen und öffnet Türen.
Besonders wertvoll ist auch das Preisgeld. In finanziell schwierigen Zeiten eröffnet es uns Möglichkeiten, gesteckte Ziele schneller oder besser zu erreichen. So haben wir in den Jahren 2020/2021 damit unter anderem eine Start-up-Management-Stelle bei der Stadt mitfinanziert, die Marke farm aufgebaut und das Gründungszimmer ausgestattet.
Start-up BW: Wie kann Euch der Wettbewerb helfen, die Angebote und Maßnahmen für Gründerinnen, Gründer und Start-ups in Konstanz weiterzuentwickeln?
Christina Groll: Der Wettbewerb bringt uns dazu, unsere Arbeit immer wieder zu reflektieren, zu dokumentieren und weiterzudenken. Die Konzeptionsphase ist für uns ein wertvoller strategischer Prozess. Wir schauen, was wir erreicht haben, wo noch Lücken bestehen und welche neuen Impulse wir setzen wollen. Der Austausch mit anderen Kommunen liefert dabei wichtige externe Perspektiven und frische Ideen. All das hilft uns, farm – Gründung & Innovation als lebendiges Ökosystem kontinuierlich weiterzuentwickeln und immer nah an den Bedarfen der Gründerinnen und Gründer zu bleiben.
Start-up BW: Ihr wart in allen Wettbewerbsrunden mit dabei. Warum hat es sich für Euch gelohnt, immer wieder mit dabei zu sein?
Christina Groll: Weil Gründungsförderung kein einmaliges Projekt ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Jede Wettbewerbsrunde war für uns eine Gelegenheit, neu zu evaluieren. Was haben wir umgesetzt? Was hat funktioniert, woraus können wir lernen? Wo wollen wir als Nächstes hin? Gleichzeitig profitieren wir vom Netzwerk der teilnehmenden Kommunen. Man lernt voneinander, entwickelt gemeinsame Ideen und inspiriert sich gegenseitig. Konstanz hat sich über die Jahre als verlässlicher und engagierter Akteur in der Start-up-Community Baden-Württembergs etabliert, und dieser Wettbewerb trägt dazu maßgeblich bei.
Start-up BW: Welche Maßnahmen aus den Konzepten, die Ihr im Rahmen des Wettbewerbs präsentiert habt, konnten erfolgreich umgesetzt werden?
Christina Groll: Der größte Meilenstein ist farm selbst, sowohl als physischer Ort auf dem Konstanzer Innovationsareal als auch als Marke farm – Gründung & Innovation. Was 2018 als Konzept für ein gründungsfreundliches Quartier auf einem ehemaligen Industriegelände begann, ist heute gelebte Realität: Das farm Technologiezentrum ist die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen, Gründer und Start-ups in Konstanz. Das Gründungsservicebüro wurde eingerichtet, das Technologiezentrum an seinen neuen Standort verlagert und vielfältige Vernetzungsangebote wurden geschaffen. Darüber hinaus haben wir das Ökosystem mit gezielten Fokusthemen weiterentwickelt, darunter Female Founders, Nachwuchsförderung, Finanzierung und Investor Relations.
Start-up BW: Ihr wart im letzten Jahr im Landesfinale. Wie wurde das Preisgeld eingesetzt?
Christina Groll: Das Preisgeld haben wir gezielt eingesetzt, um unsere Angebote auszubauen und den Standort Konstanz fit für die Zukunft zu machen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf unserer Initiative „Female Business Days", die wir im Oktober im Rahmen der landesweiten Frauenwirtschaftstage des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg ausrichten. Außerdem konnten wir durch das Preisgeld die Kommunikation für den jährlichen Finance Founders Day breiter aufstellen. Eine Veranstaltung, die über Konstanz hinaus ausgestrahlt hat und einen wichtigen Baustein für das Finanzierungsnetzwerk im bodenseeweiten Ökosystem darstellt.
Start-up BW: Warum sollten Kommunen, die bislang noch nicht teilgenommen haben, unbedingt am Wettbewerb teilnehmen?
Christina Groll: Weil der Wettbewerb mehr ist als ein Wettbewerb. Er ist ein Entwicklungsprozess, ein Netzwerk und ein ehrlicher Spiegel der eigenen Arbeit. Man lernt von anderen, vernetzt sich mit Gleichgesinnten und beginnt, überregional zu denken, immer im Sinne der Gründerinnen und Gründer. Schon die Konzeptionsphase, für die es auch Fördergelder gibt, bringt enorme Klarheit. Man setzt sich strukturiert damit auseinander, was eine gründungsfreundliche Kommune braucht und wie man sie Schritt für Schritt werden kann. Die Auszeichnung öffnet Türen, politisch, in der Verwaltung und bei potenziellen Partnerinnen und Partnern. Und ganz gleich, ob man am Ende gewinnt oder nicht: Man kommt mit wertvollen Impulsen, neuen Kontakten und einem geschärften Konzept nach Hause. Für Konstanz war die Teilnahme von der ersten Stunde an ein Gewinn.
Start-up BW: Herzlichen Dank für das Gespräch, wir freuen uns auf Eure Teilnahme in der Wettbewerbsrunde 2026/2027!
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